Erhalte zu Beginn jeden Monats motivierende Inspiration?
„Der Impulsletter ist grandios… und geht mitten ins Herz“
sagt eine Abonnentin. 

Die Hochsensibilität in der Forschung

Hochsensibilität in der Forschung, ein interessantes Thema?

In den letzten Jahren werden Informationen über die Hochsensibilität und deren Stand in der Forschung veröffentlicht. Der wissenschaftliche Begriff für eine „highly sensitive person, kurz: HSP“ beschreibt einen Menschen mit einer besonderen sensorischen Verarbeitungssensitivität. Seit Kurzem gibt es auch einen weiteren wissenschaftlichen Begriff für diese Wahrnehmungsfähigkeit und zwar „Neurosensitivität“. In der populärwissenschaftlichen Literatur ist eher die Rede von hochsensiblen Menschen.

Der wissenschaftliche Stand über die Hochsensibilität der letzten 25 Jahre

1990er-Jahre: "Sensory Processing Sensitivity" (Sensorische Verarbeitungssensitivität)

Das psychologische Konstrukt (gedankliche theoretische Hilfskonstruktion für ein Phänomen, das nicht direkt durch Beobachtung erschlossen werden kann), ist seit Ende der 90er-Jahre durch die amerikanische Psychologin Prof. Dr. Elaine Aron als „Sensory Processing Sensitivity“ in aller Munde. Ihre Pionierarbeit basiert auf früherer Forschung vieler Wissenschaftler.

Aron entwickelte ein Messinstrument (Fragebogen mit 27 Fragen), um das Ausmaß an Hochsensibilität zu erfragen. Insgesamt wird von einer ca. 20%igen hochsensiblen Bevölkerung ausgegangen. 

Aron schätzt, dass ungefähr 70 % aller hochsensiblen Menschen eher introvertiert und zurückhaltend, während ungefähr 30 % eher extravertiert und kontaktfreudiger sind. Dabei stand der Gedanke der „Kategorie“, dass ein Mensch entweder „hochsensibel“ oder „nicht-hochsensibel“ ist, im Vordergrund. 

Gelange direkt zur Webseite von Prof. Dr. Elaine Aron für mehr Informationen. 

Hochsensibilität in den 2000er-Jahren

In den letzten zwanzig Jahren stieg die Anzahl der empirischen Studien rasant an. Der originale Fragebogen wurde in mehrere Sprachen übersetzt und angepasst. Die Wissenschaftler waren sich nun mehr oder weniger einig, dass es bei Hochsensiblen drei Sensitivitätsfacetten gibt:

  1. Leichte Erregbarkeit (z. B. „Stimmungen anderer Menschen beeinflussen mich“)
  2. Ästhetische Sensibilität (z. B. „Ich habe eine feine Wahrnehmung für unterschwellige Dinge in meiner Umgebung“)
  3. Niedrige sensorische Reizschwelle (z. B. „Ich fühle mich leicht überwältigt von intensiven Reizen wie Lärm“)


Aron selbst entwickelte ihr DOES-Modell, wobei hochsensible Menschen diese vier Hauptmerkmale aufweisen:

  • D (Depth of processing) = Gründliche Informationsverarbeitung
  • O (Overstimulation) = Übererregbarkeit
  • E (Emotional reactivity and empathy) = Emotionale Intensität und Empathie
  • S (Sensing the subtle) = Sensorische Empfindlichkeit

 
Gelange direkt zur Webseite von Prof. Dr. Elaine Aron und bekomme mehr Informationen zum DOES-Modell. 

Nach einer Studie von Lionetti, Aron und Kollegen in 2018 geht man nun von drei Sensitivitätsgruppen in der Bevölkerung aus:

– eine wenigsensitive (29 %, auch als Löwenzahn-Gruppe bezeichnet, die wenig durch ungünstige Umweltbedingungen beeinträchtigt wird)
– eine normalsensitive (40 %=Tulpen) und
– eine hochsensitive (31 %, auch als Orchideen-Gruppe beschrieben, die durch günstige Umweltbedingungen profitiert).

Gelange hier zur Studie. 

Heute spricht man daher auch von einem Kontinuum statt einer Kategorie – jeder Mensch ist sensibel, der eine weniger, der andere mehr.

Forschung in Deutschland

Seit einigen Jahren forscht die Diplom-Psychologin Dr. Sandra Konrad (ehemals Helmut-Schmidt-Universität) an diesem Thema in Verbindung mit anderen Konstrukten (z. B. Big Five Persönlichkeitsfaktoren) und psychischen Erkrankungen (z. B. Borderline-Persönlichkeitsstörung).

Die bisher größte heterogene Stichprobe mit fast 3600 Probanden im Alter von 18 bis 80 Jahren erfolgte durch Konrad und Herzberg in Deutschland 2017. Dabei waren sie die ersten Wissenschaftler, die darauf aufmerksam machten, dass das originale Messinstrument aus Fragen besteht, die für Probanden unklar formuliert sind. Daher modifizierten sie als Erste die Fragebogen-Items und entwickelten das deutsche Messinstrument mit 26 Fragen. Die Forschungsstudie findest du hier, aber der Test ist nicht für Jedermann zugänglich. 

Des Weiteren erfassten sie subjektiv empfundene körperliche und psychische Symptome (mit einer „Brief Symptom Checklist“) in einer mittelgroßen heterogenen Stichprobe von nahe 400 Teilnehmern. Sie stellten dabei fest, dass beide, Hochsensible und Nicht-Hochsensible, hohe körperliche und psychische Beschwerden aufweisen, jedoch hochsensible Personen signifikant höhere Beschwerden kommunizieren.

Daher erscheint die Entwicklung von Interventionen für Hochsensible, die unter psychischen Belastungen stehen, als notwendig, um nachteiligen Auswirkungen entgegenzuwirken.

Ein neuer Begriff - "Neurosensitivität"

Der Begriff „Neurosensitivität“ basiert auf Dr. Michael Pluess zahlreichen Studien, vorrangig mit Kindern und die Entwicklung von vier Sensitivitätstypen:

  • Geringe Sensitivität (es sind keine Sensitivitätsgene vorhanden)
  • Vantage Sensitivität (Sensitivitätsgene vorhanden + günstige Bedingungen in der Kindheit & späteren Umwelt)
  • Generelle Sensitivität (Sensitivitätsgene vorhanden + durchschnittlich günstige Kindheit & späteren Umwelt)
  • Vulnerable Sensitivität (Sensitivitätsgene vorhanden + ungünstige Kindheit & späteren Umwelt)


Gelange hier zur Forschungsstudie und zur Webseite von Dr. Michael Pluess. 

Gegenwärtig: "Vantage (Vorteilhafte) Sensitivität"

In der Schweiz setzte Dr. Patrice Wyrsch diese Überlegungen in 2020 fort und entwickelte ein neues Verständnis in der Sensitivitätsforschung (siehe Grafik).

  • Vantage Sensitivität: empfänglicher gegenüber positiven Einflüssen (Sonnenseite) und widerstandsfähiger gegenüber negativen Einflüssen (Schattenseite).
    –> Erstrebenswerter Weg!!!!
  • Generelle Sensitivität: Empfänglich gegenüber positiven und negativen Einflüssen (emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle)
  • Vulnerable Sensitivität: Widerstandsfähiger gegenüber positiven Einflüssen und empfänglicher gegenüber negativen Einflüssen, was zu chronisch psychischen Beeinträchtigungen führt.


Gelange zur Webseite von Dr. Patrice Wyrsch. Nach Rücksprache mit Dr. Wyrsch durfte die Grafik veröffentlicht werden. 

Fazit

Mehrere Begriffe für Menschen mit dieser Wahrnehmungsfähigkeit und dem sich daraus ergebenden Potenzial existieren. Die Forschung über Hochsensibilität hat sich in den letzten 25 Jahre weiter entwickelt. Dennoch ist Luft nach oben, gerade was eine allgemein anerkannte Definition dieses Konstrukts in der Wissenschaft betrifft und damit die Akzeptanz und Annahme in der Bevölkerung fördert. 

Der Ansatz der Vantage-Sensitivität spricht mich als Wissenschaftlerin und selbst feinfühligen Menschen am meisten an. Ich kann daher das Buch „Wahrnehmungsfähigkeit Neurosensitivität. Die Kraft der Hochsensitiven“ von Dr. Patrice Wyrsch sehr empfehlen und bin auf seinen weiteren Weg sehr gespannt. Das Buch von Dr. Wyrsch kannst Du Hier bestellen. 

Möchtest du mehr darüber wissen, sprich mich gerne an!
Quellen

Aron, E. (2015). Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen. mvg Verlag: München

Aron, E. (2014): Hochsensible in der Psychotherapie. Junfermann Verlag: Paderborn

Konrad, S. & Herzberg, P. Y. (2017). Psychometric properties and validation of a German High Sensitive Person Scale (HSPS-G). European Journal of Psychological Assessment, 3, 124- 135. doi: 10.1027/1015-5759/a000411

Lionetti, F., Aron, A., Aron, E. N., Burns, G. L., Jagiellowicz, J. & Pluess, M. (2018). Dandelions, tulips and orchids: Evidence for the existence of low-sensitive, medium-sensitive and high- sensitive individuals. Translational Psychiatry, 8(1), 1-11. doi: 10.1038/s41398-017-0090-6.

Pluess, M. (2015). Individual differences in Environmental Sensitivity. Child Development Perspectives, 9(3), 138-143. doi:10.1111/cdep.12120


Thoss, M. (2019). Umweltsensibilität: Moderiert Hochsensibilität den Zusammenhang zwischen sozialer Unterstützung und psychologischem Aufblühen? 

Wyrsch, P. (2020). Wahrnehmungsfähigkeit Neurosensitivität. Die Kraft der Hochsensitiven. Selbstverlag

Trage dich jetzt in den Newsletter ein und erhalte wertvolle Impulse für deinen bewußten Umgang mit Hochsensibilität sowie Updates zu meinen Angeboten!

Der Impulsletter-/E-Mail-Versand erfolgt entsprechend meiner Datenschutzerklärung über den Anbieter ActiveCampaign. Du erhältst Informationen zur Hochsensibilität, Tipps im Umgang damit und Updates zu meinen Angeboten.